BOARDBAU


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Siesta Boards
Siesta Boards²



Siesta Kite-Bordbau: Siesta², angefixed in Tarifa

Es war bester Poniente Wind, recht ruhige See und unsere Laune besserte sich wieder ein wenig, als uns eDe° seinen Klassiker Scoop lieh, nachdem zuvor unser Toro mit einem satten Riss in der Fronttube und viel Gefluche in den Packsack am Strand von Tarifa verschwand. Gunda zog nun ihre Bahnen mit dem Takoon und nach einer Weile tauschten wir mit eDe° die Boards, da er noch nie unser Siesta Board gefahren ist, welches wir im Februar zusammen in seinem Keller gebaut hatten.

„Mein Board ist die größte Nutte von Tarifa - da ist schon jeder mit gefahren“, blubberte es aus eDe° heraus, als er Gunda sein Board in die Hand drückte. Natürlich war das allgemeine Gelächter groß und Gunda schnappte sich das kleine gut aussehende Karbon-Schnittchen und verschwand für längere Zeit auf dem Wasser. Nach dem wirklich gigantischen Höhe ziehen war uns klar, dass wir dieses Board, mit genau dem selben Shape, schnellstens nachbauen wollten.


Custom-Boards aus eDe° Keller am Strand von "Los Lances" Tarifa 2004


So kam es dann auch zwei Wochen später, bei meinem nächsten Hamburg Besuch.
Da in eDe°´s Keller schon mehrere Custom Boards geshaped werden, ist das mit den Terminen mittlerweile gar nicht mehr so leicht. So baut auch Manuel die "elbe-custom" Boards hier unten, die mit HPL nichts zu tun haben und an den Stränden in Norddeutschland gerne gefahren werden.

So ist der Fundus an Bodenkurven und unterschiedlichen Shape-Schablonen mittlerweile richtig groß. Für alle gewünschen Längen gibt es hier das Passende. Highlights sind natürlich die beiden konkaven Formen. So wird unser neues Bord auch zum ersten mal ein konkaves Unterschiff bekommen. Aber zuerst einmal ging es mit der langen Einkaufsliste zu "von Corvin", dem Harze, Karbon und Glasfaser Händler bei der Kieler Straße. Hier gibt es alle Stärken die beim Shapen benötigt werden. Wir nehmen diesmal unten HPL, 2 Lagen 160er Glas und einen Herrex Kern.


Tief in den Katakomben der Bretterbude von "elbe custems"
und dem Gastarbeiter von "Siesta Boards" ;-)


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Leider war das viel besser zu verarbeitende Corezell nicht mehr vorhanden, bzw wird von "von Gorvin" nicht vertrieben. Das Verarbeitungsgefühl tendiert bei Herrex eher in die Richtung billiges Styropor und machte bei uns einen aller schlechtesten Eindruck. Einhellig können wir Herrex als Boardkern auf keinen Fall weiter empfehlen und raten sogar davon ab. Es war aber auf die Schnelle nichts zu machen, da die Verarbeitungsqualitäten, bzw Mängel erst beim Verarbeiten zutage traten. Gibt bei uns die Note: TT = Tonne Treten !!! Bei diesem Board entschieden wir uns diesmal für eine 10 mm starke Kern-Platte die 120 auf 34 cm groß ist. Dann wieder 160er Glas und dann zwei Lagen Karbon und für das Finish eine 80er Glasmatte. Beim Einkaufen irritieren zuerst einmal die weissen Streifen im Karbon, die zweifellos technisch und nicht so toll aussehen. Aber beim Ausrichten der Matten sind diese Hilfslinien zum zurechtzupfen ein geniales Hilfsmittel, die beim laminieren auch komplett verschwinden. Bei den Karbonmatten sollte vielleicht noch hinzugefügt werden, wenn sie sichtbar bleiben sollen, daß die Matten mit aller Vorsicht transportiert werden müssen. Denn jede Beule auf der Matte ist am Ende auf dem Board zu sehen.

Es geht endlich und wieder mal los
Wie auch beim ersten Siesta Board wird erstmal unter Zuhilfename der Schablone alles aufgezeichnet. Am besten ist, alle Stücke zuortbar zu markieren, natürlich auf der richtigen Seite, dass ist beim Laminieren absolut wichtig. Feiner Edding ist unserer Meihnung nach das Beste. Für alle nicht Handwerker empfiehlt es sich, alle Striche die Falsch sind wegzuschleifen. Denn die irritieren einfach und lassen einen schnell mal am falschen Strich absägen.
Diesmal passierte mir beim Aussägen ein kleiner Fehler, der uns nun zum genauen Arbeiten auf Maß zwang. Es wäre besser gewesen (siehe Foto rechts) die Körmacell Seitenstücke rechts und links nicht gleich auf fast Endoutline zu sägen. Jetzt nämlich wackeln die filigranen Seitenteile schnell mal rum und sind auch nicht mehr so gut fixierbar. Beim Sägen gilt: Stichsäge auf langsam stellen. Auf einer graden Platte werden nun alle 9 Teile zusammengeklebt, also Herrex-Kern, die vier Aussenteile Körmacell und die vier Körmacell Klötzchen für die Finnen. Wir nehmen zum verkleben Epoxydharz mit dem Andickmittel. Dadurch läuft das zähe Zeug auch nicht so schnell in alle Richtungen davon. Inserts werden natürlich auch mit eingeklebt und mit Kit verschlossen.



Mit der Schablone anzeichnen, alle Stücke zuortbar makieren und aussägen. Es müssen 5 bis 10 mm Überstand bleiben.

Tag 2 - in eDe°s Werkstatt
Der fertig verklebte Rohling ist nun bereit weiter verarbeitet zu werden. Da HPL nicht einmal 1 mm stark ist, sieht mal jede Unregelmäßigkeit in Form von Beulen oder anderem. So werden wir in diesem Fall das Unterschiff mit Polyesterharz spachteln. Gibts in jedem Baumarkt und kostet zwischen 5 und 10 Euros. Vorteil beim Polyesterharz ist die gute und genaue Schleifbarkeit. Am besten ist grobkörnig zu schleifen, da das Harz zum Laminieren eine rauhe Oberfläche braucht. Die Corezellkanten raspeln wir diesmal mit dem klassischen Gipsraspel auf. Die Furchen können schon etwas tiefer sein. Soll ja auch alles gut im Vakuum zusamen geklebt werden. Beim Spachteln können es schnell mal zwei bis drei Spachtelgänge werden. Nach dem Spachteln und Schleifen ist es wieder wichtig, die Markierungen anzuzeichnen, damit das Board in der Form genau ausgerichtet werden kann.
Wir entschlossen uns diesmal, Unter- und Oberschiff in einem Gang zu laminieren. So musste als nächstes die Outline und das Oberdeck vorbereitet werden. Wir legten die Schablone mit der Outline oben drauf und fräßten mit der Oberfräse den Rohling in seine Endform. Die Kanten fräßten wir auf 5 mm und glichen das Board zur Mitte hin an.Hierbei müssen wir nicht drauf hinweisen, das hier super, super genau geschliffen werden muß. Naja, man denkt schnell mal: das Harz wird die


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je genauer geschliffen wird, desto besser siehts zum Schluß aus

Beulen schon ausgleichen. Tut es aber nicht. Selbst zwei Lagen Glas und zwei Lagen Karbon gleichen absolut gar nichts aus. Am besten ist sogar, die beuligen Stellen zu spachteln und wieder zu schleifen. Grade um das Corezell herum bemerkten wir die Schwächen von Herrex, welches sich als Schaumstoff sehr schlecht verarbeiten, bzw schleifen läßt. Körmazell läßt sich um vieles besser verarbeiten und macht insgesamt einen besseren Eindruck. Bei Twintail könnt Ihr Euch sozusagen einen Boardbau-Baukasten bestellen mit Kömazell und Corezell.

Das Laminieren
Diesmal entschieden wir uns, das Board in einem Abwasch zu laminieren. Da wir zu dritt sind, ist das auch ohne Problem zu bewältigen und spart einen weiteren Abend Arbeit. Zuvor werden die Lagen Glas und Kohle natürlich zurecht geschnitten und übereinader zum Abarbeiten gelegt. Die Kohlefaser für den Sichtbereich wird wegen der Empfindlichkeit sehr liebevoll behandelt. Die Bodenform wird jetzt gewachst, damit das Epoxydharz wieder entfernbar ist. Aber auch beim Unterschiff aus Glas ist das Polieren der Form wichtig, da beim Clear-Design eine glatte Fläche entsteht. Nun wird das Klebeband am Rand der Form aufgebracht und das Absaugflies wird in Streifen zurecht geschnitten. Jetzt kommt wieder die Gramm-genaue-Waage zum Einsatz. Im ersten Boardbaubericht sind wir auf das Arbeiten mit Harz genauer eingegangen.



Manuel, der Polier von "eble-customs" bereitet die Form vor.


Zur Wiederholung: Epoxydharz bildet beim Aushärten Molekühlketten, die ein bestimmtes, grammgenaues Mischen vorraussetzten. Hier wird keine Ungenauigkeit verziehen. Deshalb am besten das Abziehen des Mischbecher Gewichtes nicht vergessen. In unserem Fall legen wir das grob zurecht geschnittene HPL in die Form. Danach 2 Lagen Glas. Jetzt folgt der Rohling, der nun genau ausgerichtet werden muss. Hier müssen die Linien der Form mit den mittigen Linien des Boardes übereinstimmen.

Jetzt folgt wieder eine Lage 120 Glas und zwei Lagen Karbon. Mit einer Schere werden die Löcher für die Inserts freigeschnitten. Jetzt läßt sich die Karbonfaser anhand der weissen Hilfsstreifen optimal ausrichten. Fusseln die sich leider nicht gänzlich vermeiden lassen, werden nun vorsichtig von der Oberfläche entfernt. Leider bleiben wirklich alle Fusseln, die nicht entfernt werden, am Ende sichtbar. Was schnell ärgerlich ist wenn die Oberfläche im Clear-Design bleiben soll. Ganz zum Schluß kommt nochmal eine feine Schicht 80ziger Glas als Abschluß auf das Board. Keine Angst: die Kohlefaser wird damit nicht überdeckt. Mit einem Spachtel wird das Epoxydharz gut über das Gewebe verteilt und satt getränkt. Die trockenen Stellen werden noch mal mit ein klein wenig Harz nachgegossen.


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Beim Laminieren hat Mensch fast 40 Minuten Zeit.

Mit dem Auslegen der Absaugfliesstreifen am Rande des Vakuum-Klebebandes wird dann auch die Vakuumfolie auf dem Klebeband fixiert. Jetzt wird die Vakuumpumpe angeworfen. Dies ist für jeden Shaper ein spannender Moment. Denn innerhalb von Sekunden zieht sich die Folie straff über das Board.


Die Folie wird über dem Board ausgebreitet und fixiert


Jetzt zeigt sich der Sinn des Absaugfliesses. Denn beim Vakuumisieren wird durch den Druck das überflüßige Harz im Flies aufgesogen. Tatsachlich sind wir alle drei eine Zeit lang damit beschäftigt das Harz zu den Seiten hin, weg zu schieben.


Das überschüßige Harz wird zu den Boardseiten hin mit einem Spachtel weggescharbt. Gut zu erkennen ist das Absaugflies, welches das überschüßige Harz aufnimmt.


Einen Tag später hebeln wir das Board aus der Form

Beim zur Seite schieben des Harzes gibt es noch mal die letzte Gelegenheit Fussel oder Fasern zur Seite hin wegzudrücken. Das alle Blasen weggedrückt werden müssen, sollte eigentlich


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selbstverständlich sein. Je sauberer vom Schleifen bis zum laminieren gearbeitet wird, desto besser sieht das Board am Ende aus. Wir sind nach dieser Aktion ganz zufrieden und beenden ersteinmal den Tag.

Der letzte Schliffffffff
Auch diesmal kommt das Board sehr angenagte aus der Form und bedarf nochmal eines End-Outline-Schliffes. Wieder zeichnen wir mit der Schablone die Outline auf und sägen mit der Stichsäge das gröbste weg. Wiedermal kommt der Bauchschleifer zum Einsatz und bringt das Board fast in die Endform. Wir schleifen diesmal das Board mit Wasser bis zur 200 der Körnung von der Hand. Zum Schluß werden die Kanten wieder ein klein wenig gebrochen. Was nicht nur optisch einen Sinn hat. Anhand der Schablone werden die Finnenlöcher angezeichnet und durchbohrt.
Leider gab es anfang Oktober in Hamburg keine Dakine Footpads mehr zu kaufen. Da wir auf unserem letzten Board die bewährten und wirklich guten Pads haben, wollten wir sie auch auf diesem Board. Glücklicherweise gibt es diese Pads in Tarifa für das gleiche Geld: "kaum zu glauben". Manuel hatte dann noch für die Los Haemplos CSSR Ostblockfinnen die einen gar nicht so schlechten Eindruck machen und zudem noch bezahlbar sind. So schaffte es also ein fast komplettes Board auf die Reise nach Tarifa.


Das fertige Board: genau 120 cm lang und 1.9 kg schwer.


Pünktlich zum Eintreffen der großen Wellen in Tarifa kann nun unser kleines Board im Atlantik zeigen, was in ihm steckt.



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Fazit
ist, auch diesmal war das Board-Shapen erstmal eine Menge Arbeit und es kostete unter dem Strich auch Geld. Alle tollen Ideen, die es in den beiden bekannten Foren gibt, wie Boarddbau für 2 Euro oder ähnliches, sind zwar ganz witzig, aber leider auch nicht ernst zu nehmen. Gäbe es in eDe°s Keller nicht die gute Infrastruktur, dann würden die Siesta Boards wirklich preislich explodieren. Waagen, Inserts, Klebeband und viele weitere unzählige Dinge die ständig gebraucht werden, müssen ja auch angeschafft und bezahlt werden.

Darum ersteinmal wieder vielen Dank an eDe° und Manuel, ohne dessen Zeit und Hilfe auch das zweite Siesta-Board bestimmt in die Tonne gewandert wäre. Board bauen ist nämlich keine Laubsägearbeit, sondern eine handwerklich anspruchsvolle Tätigkeit die einiges an Erfahrung vorraus setzt. Und das kostet nun mal bei allen Shapern Geld.


Siesta eins und Siesta² in Tarifa


Sicherlich wird auch dies nicht das letzte Siesta-Board sein, welches eDe°s Werkstatt verlässt. Wir sind sind jetzt schon gespannt, mit welchem innovativen Board eDe° das nächste Mal nach Tarifa kommt. Eigentlich kaum zu glauben, wieviele Welten zwischen den beiden Siesta-Boards liegen.


Auch in Tarifa am Strand macht das
Siesta-Board² eine gute Figur

Vielen Dank!
Haempelfilm bedankt sich an dieser Stelle noch mal bei eDe°, der seine Zeit und Werkstatt trotz eigenem Programm erneut zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank natürlich auch an Manuel, der mit den eble-customs super Boards in Karbon, sin HPL zusammenbaut.
... Haempelfilm ist natürlich mächtig stolz auf das zweite
Siesta-Board², welches hoffentlich ein anständiges Mädchen bleibt.


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