ALGECIRAS


Rundgang

* ESPAÑA


Umgebung



Sommer 2004 in Algeciras. Ein Rundgang

Algeciras scheint fast so, als sehe es überall gleich aus. Diesen Eindruck hatten wir am Anfang und wurden so sehr schnell abgelenkt, diese doch einzigartige Stadt zu erforschen. Aber nach zwei Monaten arrangiert Mensch sich schneller mit seiner Umgebung als er denkt.

Denken wir an den ersten Juli zurück, an den Tag an dem wir wirklich entsetzt hierher ins Viertel San Jose Artesano zogen. Dummerweise strotzte unsere Wohnung noch nicht mal mit übermäßigem Wohnwert, wie wir ihn in der Nebensaison in Tarifa genossen. Aber im Gegensatz zu den exorbitanten Mieten, die in Tarifa locker auf 3000 € in den beiden Sommermonaten - jeweils - taxiert werden, schon fast ein Schnäppchen. Da kamen wir also in Algeciras an, schlossen insgeheim schon Wetten ab, wann unser Auto zum ersten Mal aufgebrochen würde.


San Jose Artesano, im rechten Haus wohnt Haempelfilm




Wenige Autos haben hier ein ausländisches Kennzeichen, da erscheint es schon fast wie das prädestiniertes Objekt schlecht hin. Also räumten wir dann zum ersten mal in Spanien wirklich alles aus dem Bus heraus, bevor es jemand anderes tut (Wir sind ein bisschen vorbelastet aus unserer alten Heimat Hamburg - Schanzenviertel -, welches auf der abgefuckt Scala wirklich unschlagbar weit oben steht...nun gut.)

Tatsächlich bewegten wir uns anfangs mit eingezogenem Kopf und zählten die Tage, bis wir wieder in Tarifa sein würden. Die Reaktionen unserer Bekannten in Tarifa reichten von, „Algeciras hat die höchste Krebsrate in Europa“, bis „hier würde ich nicht mal umsonst wohnen wollen“. Das alles leistete unserem Wohlbefinden nicht gerade den besten Vorschub.



Auf dieser Bank entstehen für 3 Monate die Tagebilder


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Selbst die Location Suche für das Tagebild war schon eine Mühsame Arbeit, die anfänglich nur schwer zu bewältigen war. Es dauerte wirklich zwei Tage, bis wir einen netten Platz für unser tägliches Panorama Foto fanden. Dabei entdeckten wir unweit unseres neuen Wohndomizils einen Brücken Weg, unter dem sich die am Meer gelegene Hauptstrasse hinzieht, vom Stadtrand Rinconcillo bis zum anderen Stadtstrand Cetares. Hier oben am Ende der Hafeneinfahrt fanden wir nun unseren Platz, um das tägliche Panoramabild, auf den von den Engländern besetzen Felsen Gibraltar, aufzunehmen.

Langsam wuchs die Laune und wir entdeckten um uns herum die ersten interessanten Infrastrukturen, die wir anfangs außer Acht ließen. So gibt es unweit unseres Hauses einen wunderschönen Biergarten, der ganz im Andalusischen Stil nicht allzu viel kostet und uns öfters mal zum Sitzen und Biertrinken einlädt. Hier fühlt sich jeder schnell zuhause und so manch Süddeutscher erfreut sich über den hohen, grünen Baum und die leuchtenden bunten Papiergirlanden, unter denen er sitzen kann. Öffnungszeiten sind eher Glücksache. Aber in unserer Hochhaussiedlung gibt es glücklicherweise immer Alternativen. Ein bißchen weiter um die Ecke gibt es auch ein weiteres Cafe „Cebolla“ mit angeschlossener Internetstube und einer überdachten Terrasse. Hier ist das Surfen im Vergleich zu Tarifa unschlagbar billig, schnell und gemütlich. Was will Mensch schon mehr. Zwischen Internet Cafe und unserer neuen Finca ist dann auch das "La Esquinita". Mit super Tostada und excellentem Cafe con



Manchmal muß Mann aus sich heraus; "taxi driver" in Algeciras


Leche verköstigen wir uns oft in der Mittagspause. Schnell kennt man uns.
Seltsam, wie Kneipen selbst unten im Hochhaus eine heimelige und gemütliche Atmosphäre verbreiten. Wir sitzen immer draußen und beobachten das Treiben um uns herum.
Schnell wird uns klar, dass die Algecirenios gutgelaunte und hilfsbereite Nachbarn und Mitmenschen sind.

So schlugen wir uns den ersten Monat in unserer neuen Stadt eher „schlecht als recht“ herum, vermißten unser heimeliges Tarifa und so manches Grummeln kam in uns auf, weil unsere Vermieterin auch nicht allzu wenig Miete von unsverlangt. Die Baustelle um die Ecke, sprich an unserem Schlafzimmer, tat des übrige dazu. Deutsche beklagen sich im Urlaub auch immer am liebsten über die Baustellen“. Manchen Hass kanalisierten wir "Taxi Driver" mäßig, mit einer neuen Frisur, diesmal im 16 zu 9 Format.




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Jimena de la Frontera" der Name des Music Festivals ist einfach zu lang


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Paco de Lucia, ein Denkmal gibt zu denken

Der Leser erkennt sehr schnell die hin- und her Gerissenheit, die wir in Algeciras so erlebten, die durch das fehlende Internet zu Hause auch noch um einiges verstärkt wurde. Die Zusagen der Telefonica erwiesen sich leider immer wieder als haltlos. So dauerte es dann wieder drei volle Wochen, bis wir Anschluß an den Rest der Welt im tiefen Andalusien erhielten. Genauso lange dauerte es dann auch, bis wir das Denkmal des großen Sohnes Algeciras "Paco de Lucia" an der Hafeneinfahrt entdeckten. In diesem Moment erschien diese Stadt plötzlich etwas ungewöhnlicher als andere.

Sein Konzert in Jimena de la Frontera, das wir von einem Berg aus beobachteten, tat das übrige dazu. Unten spielte Paco de Lucia und oben in Jimena de la Frontera bereiteten sich die „Los Rebujitos“ auf ihren Auftritt vor. Seit diesem Tag erschien uns Algeciras und der Campo de Gibraltar in einem anderen Licht und lies uns von da an genauer recherchieren.



Calle San Fransisco


So langsam begannen wir, diese Stadt mit anderen Augen zu betrachten. Mittags machten wir uns auch schon mal auf den Weg, um das Geburtshaus von Paco de Lucia in der Calle San Francisco zu Besuchen.


Verwegene Winkel um die Innenstadt machten sich vor unseren Augen breit und führten uns in dieser hügeligen Stadt runter und rauf, überall offenbarten sich ständig wechselnde Perspektiven und so nach und nach begeisterte die Stadt mit ungewöhnlichen Überraschungen.

Nicht zuletzt unser Viertel am Stadtrand tat das übrige dazu, uns ein Gefühl von Heimat zu geben. Da wohnen wir jetzt im Parterre eines Hochhauses um welches Balkon mäßig herumgegangen werden kann. Treffpunkt der Teenies und Heranwachsenden, die Ihre Roller auch schon verdächtig nahe an die Geräuschkulisse eines startenden Airbus heran frisieren. Aber niemand (niemand ?) stört sich um die Ecke an den Jugendlichen, die hier wie überall anders auch, fröhlich kiffen, billigen Tinto de Verano trinken und gegen die späteren Stunden lautstark miteinander plappern, als hätte jeder einen derben Hörschaden. Recht offen kommen wir hin und wieder mit unseren „fast schon“ Nachbarn ins Gespräch und erfahren allerlei. So erzählen uns alle stolz von Miriam, die den ersten Platz bei einem Nachwuchs Contest belegte. Schnell sang sie auf unserer Terrasse ein kleines Ständchen, das wir gleich begeistert mitfilmten. So verbrachten wir mit unseren Jugendlichen mehr oder weniger den Sommermonat. Gerne hörte die eine Haempel-hälfte dabei draußen das Gesinge und geklatsche.



Unsere Nachbarskinder ;-)


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"Parque Maria Cristina"

Wir erlebten sehr nette Flamenco Konzerte, die öfters im „Parque Maria Cristina“ neben Theater- und Classic Aufführungen stattfinden. Hier sahen wir auch die Release Plattenparty von „Diego Carrosco“ und dem folgenden Haupt-Gig von „De Buena Rama“, zu der auch Camerons Sohn zählt. Die Anwesenden waren sich nach dem Konzert einig, dass „De Buena Rama“ in den nächsten 10 Tagen unter die spanischen Top 10 kommen wird. Standesgemäß erschien die teilweise sehr elegant aufgemachte High Society Algeciras’, um diesem erstklassigen Konzert in einer lauen Sommernacht beizuwohnen. Wir bedauern sehr, nicht den Camcorder samt Stativ mit bei gehabt zu haben, um dieses powervolle Konzert mit aufzuzeichnen. Im Nachhinein heißt das: Erstklassisches Konzert, allerbeste Stimmung, in einer wunder schönen Parkanlage. Diese Veranstaltungen zählen mit Sicherheit zu den Sommerhighlights in Algeciras und werden auch für Haempelfilm unvergeßlich bleiben.



„De Buena Rama“


Zum lockeren Ausklingen des Konzertabends empfielt sich der Abstecher in die Havanna Bar unweit des Parks, auf der anderen Strassenseite, die wir zufälliger Weise mit Freunden nach dem Konzert besuchten.




Hier gibt’s zur Nächtlichen Stärkung noch mal gute Tapas und wie immer, richtig kaltes Bier. Nicht weit von der Havanna Bar entfernt, in der gemütlichen Seitenstraße „Calle Sevilla“ liegen hintereinander 3 gemütlich Bars, in denen abends draußen gesessen werden kann. Vom „La Cepu“ über das „Chiqui“ bis zum „Casa Dioni“ lässt sich schon eine gemütliche Kneipentour durch Algeciras Nacht starten. Klasse sind natürlich die niedrigen Preise und die anderen Gäste, die fast allesamt aus Spanien kommen. Wir sind mit den drei Bars ganz froh Stammkneipen im Zentrum gefunden zu haben
.

Die so genannte Touristen Abzocke bleibt hier erfreulicherweise aus. Hier repräsentiert sich noch ein natürliches Spanien, was noch nicht die überzogenen Immobilien Preise und schweineteuren Drinks auf teilweise deutschem Großstadt Niveau widerspiegelt. Überall in Algeciras begegnen wir sehr interessierten Menschen, die immer gerne ein Schwätzchen mit uns halten.




Die Mädels wollten uns einen Euro für ein Bild bezahlen


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Die Markthalle

Neben den Bars, die ganz Spanien wie Pilze überziehen, gibt es natürlich noch vieles mehr in Algeciras zu entdecken. Unweit vom Busbahnhof entfernt, unten an der Avenida de la Marina , liegt am Plaza Palma die Markthalle, die den Besucher mit einer unglaublichen Lebendigkeit bezaubert. Hier werden die Waren schon mal grobschlächtiger angepackt. Unsere Empfehlung ist das dunkle Fleisch des Stieres, welches über den Sommer, während der Stierkampfsaison, für nicht allzu viel Geld zu haben ist und von der Zartheit kaum zu übertreffen ist. So manch Gemüse und Obstangebot füllt günstig die Plastiktüte fast bis zum Zerreissen. Messerschleifer schärfen auf ihren Motorrädern die Messer und schaffen am Marktrand eine sehr lebendige Atmosphäre.


Keine falschen Hasen, frisch geschossen für den Tisch.

Von hier lässt es sich auch mit dem Auto in die Tiefen des Hafens von Algeciras fahren, der zu den größten Europas zählt und im direkten Anschluß an die Meerenge von Gibraltar im unmittelbaren Bereich der meistbeschifften Wasserstraße der Welt liegt. Hier weit draußen, auf der gigantischen Mole, lässt es sich beim Eintreffen der letzten Fähren den Sonnenuntergang über Algeciras erleben und das langsame Erleuchten der Lichter von Gibraltar erleben, die den Felsen durch seine Beleuchtung weit sichtbar über die Nacht erhellen.



Interessante Architektur in der Markthalle

Allerdings sollte der Besucher darauf achten, dass er vor 22 Uhr den Hafenbereich verlässt, da dieser die Nacht über geschlossen wird. Sicherlich zählt dieser Hafen aufgrund seiner Lage zu den schönsten der Welt und hinterlässt ein unvergessliches Erlebnis.


Gibraltar in der Abendsonne, jetzt gehen hier die Lichter an.


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Die Kunstakademie Algeciras

I

Eine Zeitreise ist der Besuch der Kunstakademie von Algeciras unten am Hafen, die von außen durch den Baustil sofort ins Auge sticht. Hier scheint die Zeit Ende der Siebziger Jahre stehen geblieben zu sein. Ganz ohne Computer wird hier noch klassische Kunst unterrichtet. Leider wurde die Pflege des Hauses über die Jahre sehr vernachlässigt, was dem Bau schon ein eigenartiges Aussehen verleiht. Naja, Aber so manch deutsche Bildungseinrichtungen stehen in ihrem Verfall der Kunstschule nicht nach. Man fragt sich in Deutschland allerdings, wo bei diesen riesigen Steuerbelastungen, die weit über denen in Spanien liegen, das ganze Geld versickert?


Fundación Muncipal de la Cultura José Cano Mayo - Septiembre 2004

In der Stadtmitte Algeciras gibt es auch ein ansehnliches Museum, welches sich in diesem Jahr ganz dem über zwei Jahrtausende andauernden Thunfischfang im Estrecho (Meerenge von Gibraltar) widmet. Hier erfährt der neugierige Besucher alles über die Entwicklung und Konservierung dieses Fisches, der schon zur Römerzeit weit über die Grenzen des heutigen Spaniens hinaus, als Delikatesse beliebt war und ist. So zeigt die Ausstellung Exponate aus „Baello Claudia“ in Bolonia, aber auch Funde aus Algeciras und Ruinen von „Carteya“, sowie aus der heutigen Zeit. Ein ständig laufender Film rundet die Ausstellung wohltuend und informativ, auch für den nicht Spanisch sprechenden, ab.



Halbzeitpause und ein erstes Fazit:

Allen Unkenrufen zum Trotz, ist uns diese Stadt wirklich ans Herz gewachsen. Wir glauben vielmehr, dass Mensch sich auf diese Stadt einlassen muß um sie ein bisschen besser zu verstehen. Ohne Hektik und auch ohne Stress lässt es sich hier angenehm den Sommer verbringen.
- und bis nach Tarifa sind es genau 20 km.

Noch leben wir einen Monat hier in Algeciras und werden in einem Update über Neuigkeiten und weitere kleinere Entdeckungen in und um Algeciras berichten.

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